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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DIY Airbrush Kompressor



Hellhamster
02.06.2013, 12:29
Hallo,
ich hatte mir vor einiger Zeit zum Grundieren meiner Tabletop-Sachen ein 40,- Euro-Airbrush-Set geholt, dazu noch gebraucht. Aus Langeweile habe ich mich auch mal an richtige Bilder gemacht und schnell gemerkt das der kleine Membrankompressor dafür absolut nichts ist. Flugs informiert und festgestellt das sich günstige Sets nicht lohnen. Baumarktkompressoen sind viel zu laut, günstige Airbrush-kompressoren machen auch zu viel Lärm (ca 60 db), und brauchbare OHNE Lufttank fangen so ab 250,- Euro an. Nun gut, dann musste es ein Selbstbau sein. Als der Feuerlöscher-Mann bei uns war habe ich ihm nach einem schrotten Löscher gefragt, möglichst klein. Ich habe einen seit mehr als 10 Jahre alten Löscher mit veraltetet Technik kostenlos bekommen. Er hatte 6 Kg Löschpulver das ich kostenlos bei der Mülldeponie fachgerecht abgegeben habe und etwa 7 bis 7,5 Liter Volumen. Einen Verdichter aus einem Kühlschrank ersteigerte ich inkl. Versand in der Bucht für 14,- Euro. Einen Druckwächter für den Automatikmodus für 11,- Euro. Dazu einen Druckminderer für 9,- Euro, und einen Adapter von 1/4" auf 1/8" (Airbrush) für weitere 4,- Euro, macht zusammen 38,- Euro. Dazu kamen für mich kostenloser Kleinkram wie etwas Stahl, nen Rest aus ner Farbsprühdose, 4 Schrauben udn 4 Muttern, etwa 50cm Luftschlauch und ein paar Schellen sowie etwas Kupferrohr und Hart- und Weichlot, aber man kommt auf jeden Fall mit 50,- Euro aus.

Ich habe also zuerst den Kompressor von seiner externen Peripherie befreit, das Überdruckventil ausgeschraubt und dort das Pulver rausgeschüttelt. Macht sowas NUR im Freien und direkt in ein wasserdichtes Auffangbehältnis. Danach habe ich alles mit Wasser ausgespült um den Rest rauszubekommen. Das Löschpulver wirkt nämlich mit Wasser auf längere Zeit metallzersetzend. Danach habe ich aus Kupfer- und Messingrohr ein Reduzierstück samt Verteiler gelötet udn dieses in den alten Schlauch gesteckt und mit Schellen befestigt. Der Zugang an dem die alte CO2-Kartusche Druck im Löscher aufbaute, dient jetzt zum Entwässern. Danach kam ein Gestell aus Flachstahl damit alles gut fest zusammen steht. Der Verdichter musste an den Therostatkabeln gebrückt werden, so das er auf Dauerbetrieb läuft. Bei einigen Modellen ist dies nicht nötig. Ansonsten wurde nur noch alles zusammengesteckt, mit Wasser im Druckbehälter auf 11 Bar hochgepumpt (Mehr gibt unser Industriekompressor nicht her) und anschließend mit dem Verdichter verbunden, fertig war der Kompressor.

Hellhamster
02.06.2013, 12:44
Hier ein Bild vom fertigen kompressor in meiner Wohnung. Auf dem oberen Kupferrohr sitzt mitlerweile noch ein DIY-Luftfilter aus einem Überraschungsei-behälter in dem ein Stückchen Topfschwamm sitzt. Das Teil ist SEHR leise, eben wie ein Kühlschrank. Er liefert "nur" ca 10-12 Liter pro Minute, hat dafür aber eben den Lufttank zum Ausgleich. Er schaltet bei 6 bar Druck ab und bei 3,9 Bar wieder ein, Arbeitsdruck meiner Airbrush-Pistole liegt bei 1,5 Bar. Es stehen also locker 30 Liter Luft zur Verfügung, wobei bereits nach 15 litern verbrauchter Luft der Kompressor anspringt und Luft beisteuert. Der verbrauch meiner Pistole liegt ebenfalls bei ca 15 Liter pro Minute, ich hatte bisher noch niemals das Problem zu wenig Luft zur Verfügung gehabt zu haben. Bald kommt noch eine andere Pistole mit größerer Düse dazu, die wird dann etwa 25 Liter pro minute verbrauchen. Alles darüber hinaus wird dann vermutlich doch etwas problematisch werden da die Sprühzeit dann zu gering wird.
Ein vergleichbarer Kompressor, der dann allerdings etwa 20 Liter pro Minute Luft fördert kostet ca 400,- Euro und aufwärts. Bevor ich mir allerdings so einen hole weil ich auf einmal doch ne Airbrush habe die 50 Liter pro Minute braucht, baue ich mir lieber einen zweiten Kompressor und schließe die beide zusammen.

Die Maße betragen ca:
Länge 40cm
Höhe: 40cm
Breite: 20cm

Ich habe zusätzlich noch ein Sicherheitsventil eingebaut das bei 8 Bar öffnet, es fängt aber bei 7 Bar schon leicht an zu zischen. Es besteht also keinerlei Gefahr das da was platzen könnte falls der Druckwächer versagt. Ebenfalls zusätzlich habe ich einen 1/4 Zoll Schnellverschluss für normale Druckluftgeräte eingebaut, damit ich die Möglichkeit habe etwas auszublasen oder mal nen Reifen aufzupumpen. Große Lackierpistolen einzusetzen ist zwar möglich aber unklug. Die kleinen brauchen schon 150 L/Min. und das bedeutet nur ca 15 Sekunden Lackieren bis der Kompressor wieder 3 Minuten pumpen muss.

Für normale Airbrush-Pistolen ist der Kompressor auf jeden Fall perfekt geeignet. Es dauerte etwa einen Tag ihn zu bauen und ich habe etwa 370,- Euro gespart. Falls der Verdcihter mal kaputt geht kann man ihn für 15,- Euro schnell in 30 Minuten wechseln.

Schnipp
02.06.2013, 16:45
Tolles Projekt, gefällt mir sehr gut!
Da reizt mich der Nachbau in den Fingern... wobei ich die Durckluftschläuche gegen Kupferrohre ersetzen würde.
Rein optisch machen die mehr her an dem kleinen :-).

Wie siehts da mit Öl aus? Beim Airbrushen sollte man einen Ölfilter verwenden oder?

Gruß Sascha

Hellhamster
02.06.2013, 17:16
Öl- und Wasserabscheider, ja, zumindest theoretisch. Bisher habe ich ich noch keine Probleme mit Wasser oder Öl gehabt, werde aber bald einen Wasserabscheider nachrüsten in der Hoffnung das er auch evtl. Ölneben abtrennt. Leicht wasserhaltige Luft ist absolut unproblemtisch solane man eh mit wasserlöslichen Farben arbeitet. NUR wenn der Kompressor sehr warm wird (50 grad aufwärts) kann es dazu kommen das das Wasser im Schlauch kondensiert und dann mit nem großen Platsch auf die leinwand gerotzt wird. Dann ist das Bild natürlich ruiniert. Aber so warm wird mein kompressor nie. Nachrüsten tu ich trotzdem noch einen. Den Luftfilter habe ich auch nur nachgerüstet weil es ja sein KÖNNTE das sich mit der Zeit der Staub aus der Luft im Öl ansammeln würde. Sicher ist sicher.

Playfield
02.06.2013, 17:23
Gefällt mir auch sehr gut! Auf die Idee mit einem Kühlschrankverdichter zu arbeiten, wäre ich nicht gekommen.


Ich habe auch mal überlegt einen Kompressor zu bauen, allerdings für eine DIY Sandstrahlkabine. Als Basis des Kompressors wäre ein Ottomotor in Frage gekommen.. Aber das wurde dann zu aufwändig, bzw. zu groß.

polarie
05.06.2013, 09:04
cooles projekt -
und auch ich bin begeistert von der idee mit dem kühlschrank kompressor.
leise und fein ... sehr geil ...

Hellhamster
05.06.2013, 10:04
Ich hab mir mittlerweile aus den übrigen Resten einfach nen zweiten gebaut, hab mir dafür nen 5 Liter Tank schweissen lassen. Die lernen das im ersten Lehrjahr Druckbehälter bis 370 Bar zu schweissen (Danach versagt das Material), da sind die 11 Bar Prüfdruck und 6 Bar Betriebsdruck ein Witz. Nun habe ich einen extrem leisen Kompressor der 10 Liter pro Minute Luft fördert (32 db bei einem Meter Entfernung) und einen der 17 Liter fördert, aber 52 db "laut" ist. Ich kann sie auch zusammenschließen, dann habe ich ca 12 Liter Volumen bei 27 l/min. Förderleistung, das reicht dann zur Not auch für die ganz großen Düsen im Airbrushbereich. Und ich habe einen zum Verleihen und als Ersatz.

VDX
05.06.2013, 10:12
... ich hab' noch eine alte Alu-Taucher-Pressluftflasche mit 10l Volumen und eine fast unbenutzte (aber 15 Jahre alte) 0.5l-Stahlflasche aus der Tarierweste da, die beide mit jeweils 200bar befüllt wurden (Prüfdruck glaube ich 320bar) ... wollte mir bei Gelegenheit+Zeit auch mal einen Kompressor und eine Schutzgasanlage aufbauen ... die 'Zeit' dafür hätte ich in ein paar Wochen, mal schauen, wie's mit der 'Gelegenheit' (bzw. akutem Bedarf) ausschaut :chuncky:

Viktor

Playfield
05.06.2013, 10:27
Was meinst du mit Schutzgasanlage?

VDX
05.06.2013, 11:16
Was meinst du mit Schutzgasanlage?

... N2 oder Argon fürs Lasersintern ;)

Viktor

Hellhamster
05.06.2013, 15:05
Also vergiss die 0,5 Liter Flasche für den kompressor, das ist ein Ausgleichsbehälter damit Du einen konstanten Luftstrom bekommst, aber nicht mehr. Mit nem 10 liter Tank kannst Du allerdings was anfangen.
Was macht eigentlich die Flasche in der Tarierweste? Die werden doch aus der Hauptpressluftflasche befüllt, bzw. wer Luft sparen will mit der auszuatmenden Luft aufgeblasen.

VDX
05.06.2013, 15:36
... die Weste hat eine eigene Flasche als Not-Luftvorrat (0.5l x 200bar = 100l) und für den Schnell-Aufstieg, falls der Druckminderer in der Hauptversorgung mal eingefroren ist oder der Hauptvorrat leer sein sollte. -- Ich habe damit quasi ein zweites Mundstück mit separater Luftversorgung an der Weste dran ...

Und die 0.5l sind schon was, wenn ich z.B. nur einen 'Hauch' Argon über den Laserspot sprühe, ohne das gesamte Arbeitsvolumen zu fluten ... da habe ich einen 'Verbrauch' von nur wenigen Litern Ar pro Stunde ... 0.5l x 100bar = 50 Liter oder einige Stunden Versorgung ;-)


Viktor

Hellhamster
05.06.2013, 20:14
Aaahja, wir hatten immer nen Oktopuss dran falls mal was einfrieren sollte, allerdings keine Notreserve. Das mit den 0,5 Litern meinte ich in Bezug auf den Kompressorbau.

romvor
17.06.2013, 13:47
Oh! kaum bin ich im Urlaub, schon werden die schönsten Sachen gebaut!

alter Feuerlöscher - Überraschungsei Kapsel - Topfschwamm - alter Kühlschrank Kompressor - und ein Rest aus 'ner Farbsprühdose = upcycling vom Feinsten!!

... Aus Langeweile habe ich mich auch mal an richtige Bilder gemacht ...Gibt's da schon was zum Vorzeigen?

Gruß

romvor

Hellhamster
17.06.2013, 21:53
Danke romvor. Ich hab ja mitlerweile 2 Stück von den Dingern rumstehen wo einige sich nicht mal einen leisten können, schon ein wenig versnobbt, aber wer kann, der kann. Mir gefallen beide kompressoren gut, der aus dem Feuerlöscher und der aus dem selbstgeshweißten Tank. Ich wechsel immer zwischen den beidne hin und her weil ich mich nie entscheiden kann. Ich habe aus diesem und anderen Gründen auch alles auf 1/4" Schnellsteckanschlüsse ausgelegt. So kann ich das Airbrush-Equipment genau so schnell wechseln wie alles andere an Druckluftzeugs anschließen.
Meine neueste Errungenschaft ist eine billige Aussenmischungs-Airbrush mit nem 60ml Saugbecher. Das Teil ist nur zum großflächigen Einfärben geeignet, das Sprühbild vergleichbar mit dem einer Sprühdose aus dem Baumarkt. Der Vortei ist das ich so die ganz billigen Acrylfarben nehmen kann und so in Zukunft nen HAUFEN Sprühdosen einsparen werde. Gut für den Geldbeutel und gut für die Umwelt. Hat nur nen Fünfer gekostet und musste lediglich komplett gereinigt werden.

Was die Bilder angeht, so bin ich ja noch kompletter Anfänger der noch versucht existierende Bilder zu kopieren. Ich werde zwar langsam besser, aber echte Künstler brauchen Jahre. Hier mal eine Kopie eines Sensenmanns aus dem Netz

Wutzman
17.06.2013, 22:33
wirklich sehr geile Arbeit und Super idee mit dem Kühlschrankkompressor. *Fetter Daumen Hoch*

Playfield
18.06.2013, 15:07
Sieht echt gut aus!

Wie bekommt man den so eine scharfe Kante wie z.B. bei der Sense hin, direkt in einem durchziehen oder wird bei so was auch abgeklebt?

Hellhamster
18.06.2013, 17:49
Man arbeitet viel mit Maskieren, Abkleben oder Schablonen. Ich habe mir in diesem Fall ein Paar Schablonen angefertigt. Als "Staffelei" habe ich ein Stahlblech das ich kippen kann und 10 Magnete. Damit fixiere ich nicht nur das Papier auf dem ich male, sondern auch die Schablonen. Die Schablonen sorgen nur dafür grobe Umrisse zu sprühen damit ich weiss wo was ist, und um scharfe Kanten zu erzeugen.
Den Kopf des Sensenmanns habe ich z.B. zuerst grob per Schablone weiss auf Schwarz gesprüht und danach mit Schwarz an den Rändern eingenebelt um einen Farbverlauf zu bekommen.
Beim Sensenblatt habe ich alles bis auf die Klinge abgeklebt, und konnte so wunderbar ohne probleme über die Kanten hinaus die Spiegelungen sprühen. Nach der Wegnahme der Schablone sah es so aus.
Den knochenarm habe ich hingegen nur mit einer Außenshablone gemacht. Also die äußeren Bereiche für harte Kanten festgelegt, und den Rest frei Hand gebrusht. Das hat eine Stunde gedauert, aber auch viel Spass gemacht.
Wenn man die Airbrush-Ausrüstung erstmal hat ist das ganze recht günstig. Der Strom für den kompressor kostete etwa 5 Cent, die Farbe weitere 5 Cent, der Alkohol zum Reinigen weitere 10 Cent. Wasser und ein DinA4-Blatt berechne ich mal nicht, aber ich hatte mit 20 Cent 4 Stunden Spass.

Hellhamster
19.09.2013, 20:55
Ich bin ja gerade am Umräumen, bin eigentlich schon umgezogen, aber es sind halt noch viele Sachen zu transportieren. Beim Einräumen ist mir ein weiteres meiner Werke in die Hände gefallen. Es ist wieder nur eine Kopie von einem Bild aus dem Netz, aber vielleicht interessierts ja den einen oder anderen.
Hat schon wer seine Drohung wahrgemacht und auch aus Resten nen Kompressor gebaut?